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Freitag, 28. Oktober 2011

DIE GOLDSCHMIEDEKUNST - Verformen Teil 2


Ab und zu sieht man uns ganz bestimmte, graue Eisenplatten
benutzen. Etwa handtellergroß und mit etlichen Löchern verseh-
en, eignen sie sich fabelhaft, alle möglichen Drähte herzustellen.
Viele solcher Zieheisen hängen an der Wand, und alle zeigen an
die dreißig immer enger werdende Bohrungen. Direkt daneben
wartet eine wuchtige Ziehzange, an deren Maul ständig
Wachs klebt, auf ihr verwenden.
 
Das Einspannen der gelochten Eisenplatte in den Schraubstock lässt
sie leise knarzen. Dann ein dumpfes Klacken gefolgt von hilflosem Zwit-
schern. Die klobige Zange zerrt am Draht und zwingt ihn erbarmungslos
durch die feinsten Bohrungen, was ihm eine erstaunliche Länge ver-
leiht. Vorsorgliches einreiben mit Wachs erleichtert die Arbeit.
  



Bei dickeren Drähten geht der Blick trotzdem schon mal hinüber zur
Ziehbank, einem Ungetüm aus dunklem Stahl mit seitlicher Kurbel und
metallisch lärmender Kettenübersetzung. Nicht wenige glaubten zuerst,
eher vor einer mittelalterlichen Folterbank zu stehen - Phantasien, die
wegen des gleichen Prinzips übrigens durchaus berechtigt sind!

Kuriose Bauformen begegnen uns auch bei einigen Messinstrumen-
ten. Gemeint sind Schieblehren und Zehntelmaße, deren mechanisches
funktionieren sich in vordigitalen Zeiten noch von selbst erklärte. Auch
hatte es sich wunderbar angefühlt, mit ihnen zu hantieren.

Alle die beim finalen Wiegen jetzt noch mit dem Auslaufmodell Schalen-
waage arbeiten, pflegen eine Tradition, wog man doch schon in der Antike
gerne seine Kostbarkeiten damit, … und mit Samenkörnern aus den Früch-
ten des Johannisbrotbaums. Schließlich hatte jedes einzelne von ihnen
exakt 0,2 Gramm - oder anders ausgedrückt: "Genau 1 CARAT!"
 
Mittlerweile muss niemand mehr auf digitales Equipment verzichten.
Das beeindruckt die manchmal befremdlich wirkenden alten "Schalen-
dinger" wenig. Sie zeigen nach wie vor absolut identische Ergebnisse.
Die dabei verfliegende Zeit interessiert hier keinen.
 
Zeitspannen sind jedoch relativ und, falls groß genug, sogar in der
Lage das Weltbild des Goldschmiedes zu verändern, auch wenn die
Basis für seine zeitgenössischen Designs eine altertümliche bleibt -
doch Pragmatismus war ja schon dem Mittelalter nicht fremd!


Perlen an rundgezogenem Edelstahl
Flachgewalzt und umgebogen ...

Auch sehr reizvoll: Platinring - Schiene ebenfalls rundgezogen